Angst beim Reiten

Tabuthema: ANGST vor seinem Pferd und dem Reiten – Teil 1

In diesem Beitrag befasst sich die liebe Gastbloggerin Alexandra Pötscher mit dem Thema „Angst vor dem Reiten und vor dem Pferd“. Dieser Artikel ist der erste Teil dieser Serie.


Stellst Du Dir manchmal die Frage, wie es soweit kommen konnte, dass Du Angst beim Reiten oder auch im Umgang mit Deinem Pferd hast?

Wer kennt das nicht? Ein paar Stallkollegen wollen einen gemütlichen Ausritt machen, eigentlich möchte man gerne mitreiten, ABER …

Die Halle ist belegt von 2 Reitern, eigentlich wäre noch Platz um auch darin zu reiten, ABER …

Wir unterscheiden hier von zwei unterschiedlichen Angsttypen:

  1. Angst aufgrund eines Unfalles, Sturzes, schlimmen Erlebnis zwischen Pferd-Mensch (Trauma)
  2. Angst, weil man entweder generell ein sehr ängstlicher, unsicherer Mensch ist oder, weil man sich zu viele Gedanken macht, was passieren könnte (Kopfkino)

Um sich mit dieser beängstigenden Situation nicht auseinandersetzen zu müssen, erfindet man schnell allerlei Gründe, warum man dies jetzt nicht tut, wovor man Angst hat wie z.B.

  • ich habe heute keine Zeit mehr
  • mein Pferd ist so dominant, schwierig, nervös – das geht mit meinem Pferd nicht
  • das Wetter ist nicht so fein
  • ich habe heute keine Lust uvm.

Schnell kommt Spott im Stall auf, wo Bemerkungen kommen wie z.B.:

  • „Du hast doch nicht etwas Angst vor Deinem Pferd?
  • Wozu hat der/die ein Pferd, wenn er/sie nicht reitet?
  • Wieso verkauft er/sie nicht den „Gaul“, wenn er/sie offensichtlich Angst hat? „

Dies und viel mehr ungerechtfertigte, unfaire Kommentare fallen von Stallkollegen, Stallbesitzern oder Trainern.

Dies führt zu folgenden Handlungen:

entweder

  • man überwindet sich aus falschem Stolz, aus Scham und tut es trotzdem, um sich dem Spott nicht mehr auszusetzen

oder

  • man zieht sich immer mehr zurück, fühlt sich bestärkt und die Angst wird größer.

Beides ist nicht optimal, da bei der 1. Variante des „Überwindens“, wo man dem anderen etwas beweisen möchte, meist erst recht etwas passiert, wenn die „Zaungäste“ zusehen und man selbst zu impulsiv gegen sein Pferd handelt (es schlägt oder aus falschem Scham selbst aggressiv wird), obwohl man vielleicht selbst der Auslöser war.

Bei der 2. Variante steht man am Stand, kommt nicht weiter und verkauft vielleicht sogar sein Pferd, weil man den Druck von außen nicht mehr aushält und immer mehr an sich selbst zweifelt.

Nun beginnen „schlaue“ Ratschläge von Trainern oder Stallkollegen wie z.B.:

  • „Reite über Deine Angst hinweg, rauf aufs Pferd und es wird schon nichts passieren.
  • Dein Pferd darf deine Angst nicht spüren“.

Vielleicht hast Du auch beides versucht und es hat nicht funktioniert. Pferde kann man nicht belügen (siehe BLOG Beitrag: Pferdesprache)! Pferde sind Meister in Körpersprachen spüren/lesen! Auch, wenn man dominant auftritt und sich probiert einzubilden: “ich bin ruhig, alles toll …“, wird es Dir Dein Pferd zeigen, ob Du Dich selbst anlügst und nur eine Maske aufgelegt hast oder ob dem so ist.
Vor Deinem Pferd kannst Du nicht das Gesicht verlieren, denn es hat vom ersten Augenblick an hinter Deine Fassade geblickt, die Du sorgsam für Deine Mitmenschen aufgebaut hast. Umso mehr Du versuchst Deine Furcht/Unsicherheit zu verbergen, desto deutlicher wird Dein Pferd spüren, dass etwas nicht stimmt. Die Kluft zwischen Dir und Deinem Pferd wird immer größer!

Leider haben oft diejenigen, die solche Ratschläge erteilen, gar keine Ahnung davon, wie man Ängste hinter sich lässt.

Wenn Du z.B. die Variante mit dem „über Deine Angst hinweg reiten“ versuchst, wenn Du möglichweise vor dem Galopp Angst hast, weil Dein Pferd da schwerer kontrollierbar ist und leicht durchgehen könnte (Kopfkino) und Dir dann aus der Bande noch jemand zuruft: „nun galoppier schon endlich, Du wirst schon merken, dass nichts passiert“, wird dies vermutlich nicht dazu führen, dass Du den nächsten Galopp mit mehr Mut und sorgenfrei entgegensiehst. Stattdessen fragst Du Dich vielleicht, ob Du eine gute Reiterin bist und ob Du dem Pferd gewachsen bist.

Nun beginnen die Wechselwirkungen im Körper zwischen Gedanken, Emotionen und Angst, wo die Angstbewältigung der Leistung dabei eine große Rolle spielt. Unseren Gedanken und Gefühle beeinflussen IMMER unser Handeln und die darauffolgende Reaktion unseres Körpers (unbewusst, außer man hat ein sehr gutes Körperbewusstsein).

Ein Beispiel dazu:
Der Reiter der in der Springstunde denkt: „gleich hält mein Pferd vor diesem Sprung an und ich fall runter“, empfindet Angst, ist nervös, verkrampft sich und zieht unweigerlich, unbewusst am Zügel. Die Folge: Das Pferd hält an.
Andersrum gilt dasselbe:
Der Reiter denkt und fühlt ehrlich: “heute läuft es ja wieder toll“ und fühlt sich dabei glücklich. Dieser entspannt sich automatisch auf dem Pferd seine Hüften bleiben weich und einfühlsam. Das Pferd bewegt sich locker und geschmeidig.


WICHTIG zu seiner Angst stehen, auch wenn es noch immer  eines der größten Tabuthemen im Reitstall gehört. Angst hat NICHTS mit mangelnden Können zu tun!
Wer zu seiner Angst steht, fürchtet sich nicht davor, sein Gesicht zu verlieren.
Man muss niemanden etwas beweisen, weder sich selbst, nicht seinem Pferd und am wenigsten Stallkollegen oder Trainern.

Wer sich seiner Angst einsteht, hat den 1. Schritt dazu getan, etwas Positiv zu verändern.


Es nützt nichts,

  • wenn Du Dein Pferd in Beritt schickst und Fremde mit Deinem Pferd zurechtkommen,
  • Dein Pferd x-mal in einen anderen Stall stellst, mit der Hoffnung dort wird alles besser,
  • verschiede Trainer holst, die nur an Deiner Reitweise arbeiten und an der korrekten Ausführung von Lektionen des Pferdes.

Du musst Verantwortung übernehmen und das Problem BEI DIR suchen und GENAU DORT muss angesetzt werden

anstelle von:

  • der Trainer ist schuld
  • das Pferd ist schwierig und
  • der Stall ist Mist usw.

Wer meint, die Angst totzuschweigen, ignorieren oder wegrennen zu können, belügt sich selbst – und andere! Auch Dein Pferd belastet es, wenn sein Mensch Angst hat.

Hier entsteht der Moment, wo man beginnen sollte, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Wenn man es alleine nicht schafft, helfen Verhaltensberater (bestenfalls für Pferd und Mensch) begleitend weiter. Es werden angstmachende Momente analysiert, gründlich vorbereitet und erfolgreich umgesetzt.

Angst schränkt Dein Denken ein und plötzlich siehst Du Probleme, wo Du ohne Angst oder Herzklopfen ganz zuversichtlich wärst und klar denken könntest.

Du bist nicht mit Angst geboren! Du erlernst Angst von Deinen Eltern, Deinen Mitmenschen von Deinen Erfahrungen. Angst ist Kontrollverlust. Beim Reiten spielt dies eine besondere Rolle, da wir es mit einem Fluchttier als Partner zu tun haben, mit eigenen Gefühlen und eigenem Kopf. Also, können wir nicht immer unbedingt die Kontrolle behalten. Das macht es schwieriger als bei anderen Ängsten.

Die gute Nachricht es ist erlernbar, in schwierigen Momenten einen ruhigen Kopf und ruhige Ausstrahlung zu behalten, um somit positiv auf die Situation und das Pferd einzuwirken.

Wie Ihr dabei vorgeht, teile ich Euch in Teil 2 – am 4.2.2020 – mit, wo Ihr wieder mehr von mir erfahren werdet!

Eure Alexandra

Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Alexandra!

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Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

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