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Tabuthema: ANGST vor seinem Pferd und beim Reiten– Teil 5

In diesem Beitrag befasst sich die liebe Gastbloggerin Alexandra Pötscher mit dem Thema „Angst vor dem Reiten und vor dem Pferd“. Dieser Artikel ist der fünfte Teil dieser Serie.


Meist beginnt das Problem, das man mit dem vierbeinigen Partner hat, schon vor der eigentlichen Arbeit. Wenn schon bei der Basis im täglichen Umgang ein ungutes Gefühl entsteht, wird auch die darauffolgende Arbeit stets angespannt sein!

Angst vor Pferden

IN DER BOX
Vorweg – Pferde sind von Natur aus eher klaustrophobisch veranlagt. In freier Wildbahn halten sie sich stets an übersichtlichen Plätzen auf, sodass sie mögliche Feinde früh wittern und schnell flüchten können. Treibt man sie in die Enge, werden sie entweder sehr unruhig, ängstlich oder schalten auf Angriff um.

Führt man sich mit diesem Wissen die Tatsache vor Augen, dass Großteils reine Boxenhaltung mit stundenweisen Koppelgang oder kein Koppelgang, immer noch weitverbreitet ist, braucht man sich nicht wundern, wenn es in den Boxen oft zu Zwischenfällen zwischen Pferd und Mensch kommt.

Sehr oft liegt das aggressive Verhalten von Boxenpferden allein in der Haltungsform begründet. Wie würdest du dich fühlen, wenn du 15-23h am Tag in deinem Badezimmer leben müsstest?

Hier sind Aggressionen und Depressionen vorprogrammiert. Viele Pferde in reiner Boxenhaltung neigen aus Verzweiflung dazu, den Menschen etwas ungut zu behandeln (Ohren anlegen, beißen, treten, Hinterteil zudrehen). Viele solcher Pferde (welche sich nicht innerlich schon aufgegeben haben bzw. seelisch gebrochen sind) stürmen regelrecht aus der Box hinaus, wenn die Türe sich endlich wieder öffnet. Was es im Umgang (Stallburschen, Stallbesitzer, Pferdebesitzer) nicht gerade einfach macht. Im Gegenteil – gerade solche Pferde werden dann noch bestraft, weil dies eine Unart ist – warum er das tut, ist den meisten Menschen leider egal.

Viele Pferde sind dahingehend schon so gestört, dass sie nur mehr auf Angriff gehen. Da sie den Menschen nur mehr damit verbinden: stumpfsinnige, eintönige Arbeit unter Zwang und Schmerz, danach zurück in Einzelhaft.

Um derart gestörte Verhaltensweisen in den Griff zu bekommen, sollte man als ersten Schritt möglichst umgehend die Haltungsform ändern! Suche einen Stall in dem dein Pferd artgerecht gehalten wird, was bedeutet das (gerne hier erneut zu Erinnerung, wie schon so oft von mir erwähnt):

  • Ganzjährigen, täglichen, mindestens 10h Koppelgang
  • Koppelgang mit verträglichen Pferden in Kleingruppen oder verträgliche Koppelpartner
  • 24h gutes Heu zur freien Verfügung als auch sauberes Wasser
  • Offenstall in verträglicher Herde, wo sich das Pferd 24h frei bewegen kann, wäre optimal

Deswegen hast du kein minder leistungsstarkes Pferd! Im Gegenteil, dein Pferd dankt es dir mit mehr Motivation und Leistungsbereitschaft als vorhin. Weil es ausgeglichen und zufrieden ist, dass Mensch endlich verstanden hat, was es braucht zum Leben, um die Kraft und Energie, seelisch und körperlich aufzubringen, für was Mensch das Pferd einsetzen möchte.

ALLERDINGS – sollte man sich davor hüten, ein Pferd, das jahrelang in isolierter Einzelboxenhaltung lebte, von heute auf morgen in eine Gruppenhaltung zu stellen und meinen – jetzt geht´s ihm gut!

Die Resozialisierung eines verhaltensgestörten Pferdes kann lange dauern und muss stufenweise erfolgen.

  • Paddock Auslauf mit Schnupperkontakt zum Nachbarn
  • Nach einigen Wochen (je danach wie schnell sich das Pferd daran gewöhnt hat), kann man das Pferd stundenweise mit EINEM Pferd, mit welchem es sich verträgt (z.B. Koppelnachbar) auf eine Weide geben
  • Wichtig, für alle Pferde genügend Platz, mehrere Fress- und Wasserstellen, damit sich Pferde aus dem Weg gehen können, jeder in Ruhe Fressen und Trinken kann, aber auch die Möglichkeit zum rasten hat
  • Wenn kein geeignetes Pferd gefunden wird, soll man bei Einzelkoppel neben anderen Pferden bleiben

Schon alleine diese Annehmlichkeit wird die seelische Ausgeglichenheit des Pferdes fördern. Kombiniert mit dosiertem Weidegang und abwechslungsreichen Training, als auch Ruhephasen, wird sich das Verhalten des Pferdes in der Box weiter verbessern. Denn es kann seinen Bewegungsdrang auf natürliche Weise den restlichen Tag wo du nicht da bist ausleben und hat wichtige Sozialkontakte zu Artgenossen.

WICHTIG –> die Box, ist der RUHEORT des Pferdes (egal ob im Offenstall, Koppelgang mit Boxenhaltung …). Natürlich darf ein Pferd einen Menschen in de Box nicht angreifen. Wenn es dies noch immer tut, muss man dem Zeit geben oder einen Verhaltenstrainer um Hilfe holen. Jedoch sein Pferd in der Box verhauen und es in die Ecke drängen, um ihm „Manieren“ beizubringen – das ist ein Fall für den Tierschutz!

In der Box werden weder Lektionen noch sonst irgendwas trainiert! Das Pferd muss in der Box nur folgendes tun:

  • Es sollte dich als Ranghöheren respektieren und dementsprechend ausweichen (den Raum und Platz wir dem Pferd auch geben müssen und es nicht bedrängen)
  • Das Halfter in Ruhe anlegen lassen und dann mit dir oder dem Stallburschen die Box verlassen
  • Die Box ist zum Ruhen und Fressen da – der Rückzugsort für dein Pferd, genauso wie bei dir dein Zimmer oder deine Wohnung

Wenn die „Basics“ zwischen Euch nicht passen – back to the roots!

  • Beziehungsarbeit (siehe BLOG Beitrag von mir Pferdeverhalten)
  • Im RounPen auf halftern, ausweichen, richtiges Führen usw. üben
  • Spazieren gehen mit deinem Pferd
Sicherheit beim Reiten

AM ANBINDEPLATZ / PUTZPLATZ

Viele angsteinflößende Situationen entstehen, weil Pferd und Mensch keine solide Basis miteinander haben. So kann es auch beim Putzen des Pferdes zu Zwischenfällen kommen, aus denen Angst erwächst. Ganz gleich, ob das Pferd

  • einen an die Wand drückt
  • schnappt
  • herumzappelt
  • versucht zu steigen
  • versucht nach einem zu treten

All dies weist darauf hin, dass das Pferd nie gelernt hat, wie es sich zu verhalten hat am Putzplatz und der Mensch hat seine Wünsche dem Pferd auch nie eindeutig und pferde-verständlich vermittelt. Das Pferd kennt vom Menschen nur eines, bei solchen „Unarten“: GEWALT (schlagen, schreien, Halfter zerren).

Angebunden sein, stillstehen und auch einfach mal warten – das sind Lektionen, die ein Pferd ebenso lernen muss, wie Piaffen, das hohe Springen oder einen Sliding Stop.
Hinzu kommt, dass viele Pferde vor dem Anbinden schlichtweg Panik haben. Nichts ängstigt ein Fluchttier mehr als der Verlust der Freiheit!
Wenn man sich das ehrlich vor Augen führt, versteht man besser, warum viele Pferde beim Putzen oder Anbinden so zappelig und angespannt sind – sie trauen der Sache einfach nicht!

Auch hier kann man bei bestehenden Problemen und Ängsten sehr gut im Round-Pen, Longierzirkel oder einem eingezäunten Platz alleine arbeiten. Aber nicht, um es hier müde zu scheuchen (KEIN JOIN UP) und seinen Willen zu brechen – sondern es zu erziehen und eine gute Beziehung, basierend auf Vertrauen aufzubauen!

Stelle dich in die Mitte des eingezäunten Bereiches mit deinem Pferd am 3m Strick und warte:

  • beginnt es zu zappeln, zu beißen, zu steigen – korrigiere es sanft und mit Ruhe
  • sobald das Pferd ruhig stehen bleibt – in der Sekunde LOBEN (streicheln, Leckerli)
  • wenn das Pferd 1min. ruhig stehen kann … loben und den Vorgang mit einem Spaziergang positiv abschließen
  • dies täglich um 1min. steigern, bis es solange ruhig stehen bleibt, was du brauchst um es zu putzen, satteln, Tierarztbesuche, Hufschmied usw.

Wenn das Pferd auf die Korrektur nicht reagiert – arbeite mit dem Pferd (egal ob Longieren, Doppellounge, Cavaletti, Kappzaumtraining …) 10min. lang und danach wieder stehen bleiben üben.

Jedes Mal, wenn das Pferd das tut, was nicht in Ordnung ist für dich, arbeite mit dem Pferd weitere 5min., danach wieder stehen, sobald es ruhig stehen bleibt, loben und positiver Abschluss mit einem Spaziergang oder frei bewegen lassen/laufen lassen.

Wenn das ruhig stehen bleiben und sogar Putzen im Round-Pen / Longierzirkel gut funktioniert, gehe zurück zum Anbindeplatz / Putzplatz:

  • binde das Pferd zunächst NICHT an
  • halte den Strick (am besten 3m langer Strick), so wie im Round-Pen, locker in der Hand und putze dein Pferd
  • bewegt es sich, stelle es ruhig zurück am Platz
  • wenn das gut funktioniert, als nächsten Schritt, kann man das Pferd probieren anzubinden
  • dann beim Pferd ruhig stehen bleiben, bleibt es ruhig – LOBEN und positiver Abschluss, spazieren gehen, oder zurück auf die Koppel
  • geht das gut, dann kann man putzen oder Tierarzt oder Hufschmied…
  • wenn was nicht mehr gut geht, wieder einen Schritt zurück, solange bis es sitzt!

WICHTIG à alles mit der Ruhe, nimm dir Zeit, KEINE HEKTIK, KEINE UNGEDULD (manche Pferde brauchen Monate, bis sie erkennen, dass angebunden sein weder gefährlich noch doof ist und es Zeiten gibt, wo man auch Mal warten muss)

Unsere größte Schwäche liegt im Aufgeben – der sicherste Weg zum Erfolg ist immer, es noch einmal zu versuchen! (Thomas Alva Ediso)

Ich hoffe, ich habe heute wieder ein wenig mehr Klarheit für diese beiden Situationen gebracht und freut Euch auf Teil 6 im Juni 2020, wo es um das Probleme beim FÜHREN / SPAZIEREN gehen oder Angst vor dem VERLADEN geht!

Gutes Gelingen und gesund bleiben,

Eure Alexandra


Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Alexandra!

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