Pferdesprache-verstehen

PFERDESPRACHE verstehen lernen – für eine bessere PFERD-MENSCH Beziehung – Teil 7

In diesem Beitrag beschreibt die liebe Gastbloggerin Alexandra Pötscher, wie ihr euer Pferd besser verstehen werdet und wie ihr besser mit ihm kommunizieren könnt.

Dieser Artikel ist der letzte Teil ihrer Serie zum Thema Pferd-Mensch-Beziehung.

In diesem Teil widmen wir uns dem Thema: wie lernt ein Pferd „erwünschtes Verhalten“
Lernen bedeutet für ein Pferd – Verhaltensänderung, die aus den Elementen seines natürlichen Verhaltensrepertoires abgeleitet oder verknüpft sein soll.

Ein erlerntes Verhalten, kann im Unterschied zu angeborenen Verhalten und zu Prägungsprozessen in der Fohlenzeit auch schnell wieder verlernt werden. Pferde lernen schnell durch Beobachtung ihrer Koppelkameraden. Was man selbst im Training gut nutzen kann, wenn man z.B. 2 oder mehrere Pferde hat. Man kann mit einem Pferd, dass schon vieles „für mich positives erlernt hat“ vor dem Pferd üben, dass es noch nicht kann oder noch nicht versteht.

Nicht jedes Pferd lernt gleich schnell! Kommt auf folgende Faktoren an:

  • Rasse, Charakter
  • Haltung (Pferde in reiner Boxenhaltung, welcher in reizarmer Umgebung gehalten werden, lernen langsamer, hungrige Pferde bringen nicht die gewünschte Leistung oder Konzentration)
  • körperlich und mental gesund
  • Kraftfutter dem Training als auch Leistung angepasst
  • Beziehung zwischen Mensch und Pferd passt
  • Pferd vertraut seinem Menschen und hat Spaß an der Arbeit mit ihm/ihr

WICHTIG à Überforderung (mehr trainieren, als was das Pferd leisten kann oder an neuem Erlerntem aufnehmen kann) vermeiden, dies bedeutet meist einen Rückschritt!

Deshalb sind in Lernprozessen, häufige Entspannungsphasen wichtig – sprich, wenn es nach z.B. 3x hintereinander üben noch immer nicht funktioniert oder das Pferd noch immer nicht versteht, was ich von ihm will – PAUSIEREN, sonst entsteht Frust bei Pferd und Mensch! Rufe Übungen ab, die gut funktionieren zwischen euch, damit ihr beide wieder ein Erfolgserlebnis habt und Motivation für Neues bekommt. Wie in Kapitel 6 gelernt haben negative Emotionen des Menschen, wie FRUST oder HYSTERIE nichts im Training mit dem Pferd zu suchen – welche dann unkontrolliert am Pferd ausgelassen werden im Zuge von Bestrafungen (wie wütend einschlagen auf das Pferd, in die Ecke treiben, das Pferd anschreien, in Kreis hetzen/longieren uvm.) – dies führt nur zu Ängstlichkeit, Frustration, Fluchtverhalten, Unsicherheit und Aggression beim Pferd gegen seinen Menschen!

SEI SCHNELL!

Wenn Du mit deinem Pferd gut zusammenarbeiten möchtest und in diesem Sinne auch ein guter Reiter sein willst –musst du schnell sein in deinem Handeln/Agieren!

Das Arbeiten mit dem Pferd (egal ob vom Boden aus oder am Pferd) erfordert geistige und körperliche Präsenz (genau wie beim Tanzen oder Kampfsport). Du musst darauf gefasst sein, jederzeit SOFORT auf dein Pferd reagieren zu können.

Pferde sind schnelle Tiere. Das müssen sie als Fluchttiere auch sein, um zu überleben. Schnell zu reagieren, bedeutet allerdings nicht hektisch! Es bedeutet vielmehr – zeitgleich reagieren (du erkennst etwas Positives oder Negatives bei deinem Pferd, musst SOFORT loben oder korrigieren, sonst kann das Pferd die Situation mit deiner Reaktion nicht wie erwünscht verknüpfen und somit verstehen! Sprich, sein negatives/positives Verhalten oder falsch/richtig ausgeführte Übung mit deiner Reaktion darauf (loben oder korrigieren)!

Wie erreiche ich das?
Lass deine Sorgen, negative Emotionen, aufgestaute Wut auf deinen Job, dein Leben usw. zu Hause! Hab deinen Kopf bei deinem Pferd und nicht bei der bevorstehenden Party und was du an dem Tag noch alles zu tun hast! Sollte dir dies einmal nicht gelingen – kein Problem! Sorge nur dafür, dass du an solchen Tagen, dein Pferd in Ruhe lässt und damit Rückschritte vermeidest, indem du nicht den Frust an die Welt an deinem Pferd auslässt (näheres dazu, Kapitel 6)!

Dein Pferd wird schnell dazulernen und bald wird alleine der Gedanke an die nächste Aufgabe genügen, damit dein Pferd deine Körpersprache liest und sich in Bewegung setzt.
Häufig höre ich von meinen Kunden: „mein Pferd hat zu warten, bis ich ihm den Befehl gebe. Es geht mir auf die Nerven, dass es schon losgeht, ohne, dass ich ihm das Zeichen dazu gegeben habe.“

Wenn ich sie dann beobachte bzw. befrage wie das Training oder der Umgang in gewissen Situationen mit ihrem Pferd abläuft, wann der Gedanke vom Menschen kommt, wann der Befehl und wann reagiert das Pferd … entdecke ich meist, dass die Menschen den „Befehl“ an das Pferd schon längst gegeben haben (Mensch hat daran gedacht, unbewusst die Körperhaltung/Körperanspannung dazu gegeben), ohne, dass es ihnen bewusst ist. Nur kann das Pferd seinen Menschen schon so gut lesen, dass er weiß was kommt oder was kommen soll.
Der Mensch selbst war weder aufmerksam, noch schnell genug – dies selbst zu erkennen (siehe voran gegangene Kapitel zum Thema: Körpersprache), das Pferd jedoch schon!
Wenn sich dieses Muster wiederholt, wird das Pferd verunsichert und weiß nicht, was es genau zu tun hat und was es falsch gemacht hat. Im Zweifelsfall entscheidet es sich dann vielleicht lieber erstmal gar nichts zu tun, oder bietet dir verzweifelt verschiedene Varianten an, was meistens eine härtere (ungerechtfertigte) Einwirkung des Menschen zur Folge hat. Dies führt wiederum dazu, dass das Pferd verunsichert wird und deine Führung anzweifelt bzw. dir nicht mehr vertraut!

MERKE à sei aufmerksam auf dich und dein Pferd, handle genau und im richtigen Moment! Sei präzise, sei schnell!

Nicht vergessen!

  • Mental ausgeglichen mit dem Pferd arbeiten
  • Im HIER und JETZT sein und sich komplett auf das Pferd und sich selber konzentrieren
  • Einwirkung und Loslassen, zum exakt richtigen Zeitpunkt
  • Handle im richtigen Moment, wo es dem Pferd auch physisch möglich ist

Es braucht Erfahrung vom Sattel aus zu spüren, wann welcher Huf vom Boden abhebt – weil dies der EINZIG RICHTIGE MOMENT ist, wo du auf dieses Bein einwirken kannst. Weil es just in diesem Augenblick für das Pferd anatomisch möglich und logisch ist, auf deine Hilfe zu reagieren und zwar ohne sich dir zu widersetzen.

Unerwünschtes Pferdeverhalten bereitet dem Menschen Schwierigkeiten in der Haltung bzw. Umgang (Mangel an Kommunikation – Mensch versteht Pferd nicht und umgekehrt). Es gehört dennoch zum Normalverhalten eines Pferdes (auch wenn Mensch dies nicht verstehen will oder erkennt) und ist von Verhaltensstörungen zu unterscheiden!
Auch zu klären wäre, ob es sich um Anzeichen von Überforderung:

  • nachlassende Motivation
  • Verspannungen
  • Frust
  • Widersetzen
  • Rückschritte

oder Unterforderung handelt:

  • unaufmerksam
  • Gelerntes wird automatisch „abgespielt“ (wenn jedes Training fast ident abläuft, wie z.B., nach 10 min. Schritt, Antraben bei A und Galopp bei C und Halt bei X), auch wenn Reiter es nicht abverlangt (häufig auch bei Schulpferden zu erkennen)
  • dem Pferd ist langweilig und zeigt es in dem es „Faxen“ macht oder grantig wird

LOBEN!

„Verwöhn dein Pferd nicht so.“

„Du verziehst es und gewöhnst ihm Unarten an.“

„Du machst ein Schoßtier daraus.“

„Es ist nur ein Tier und kein Mensch.!


Kommen dir diese Kommentare bekannt vor? Dies bekommen Pferdebesitzer häufig von anderen zu hören, die ihre Pferde kaum bis gar nicht belohnen. Die ihre Pferde wie Sportgeräte aus der Ecke hervorholen, benutzen und wieder in die Ecke zurückstellen. Die vergessen, dass dies Lebewesen sind, wie du und ich. Jedes Lebewesen, egal ob Mensch oder Tier, wird motiviert etwas wieder oder besser zu tun, wenn es für etwas, was es gut gemacht hat, gelobt wird.
Im Fall der Pferde, wäre dies in Form von:

  • Leckerbissen
  • Streicheln
  • sanfte Stimme
  • Drucknachlass

Dies ist die Anerkennung des Menschen an das Pferd, wenn es einen versteht.


Natürlich kann man ein Pferd auch „verziehen“, wenn man Lob missbraucht als:

  • Bestechung (dass sein Pferd einen „leiden“ kann oder von der Koppel mitgeht)
  • Für jedes Mal aus der Boxentüre schauen (weil es so lieb schaut)
  • Im falschen Moment (z.B. zappelt beim Hufschmied rum, dafür gibt es eine Karotte à richtig wäre, wenn es ruhig steht, gibt es einen Leckerbissen)

Pferde mögen Lob! Sie sind stolz auf das, was sie mit uns erreichen und genießen es, bewundert zu werden. Pferde wollen gefallen und sind stets bemüht (vorausgesetzt die Beziehung Pferd-Mensch passt und man versteht sein Pferd) es uns Recht zu machen (auch wenn wir es nicht immer verstehen und leider als Unart missverstehen).

Die meisten Pferdetrainer, als auch Reiter (heißt noch lange nicht, dass er/sie Pferde auch versteht und es individuell fördern kann) belohnen ihre Pferde durch derbes abklopfen am Hals und bestrafen bei nicht gewünschten Verhalten.
Dies führt bei den meisten Pferden (manche widersetzen sich heftig) zu dem mehr oder weniger erwünschten Erfolg, dass die Pferde die gewünschte Leistung routiniert „abspulen ohne nachzudenken und hoffen, bald wieder in die Box oder auf die Koppel zu kommen. Sie begreifen nicht, warum sie ständig die gleichen Bewegungsmuster, in den gleichen Zeitabständen wiederholen sollen. Sie werden damit teilnahmslos, gelangweilt, abwesend, stumpfen ab und hören/spüren gar nicht mehr, was sein Reiter anhand seiner Körpersprache an das Pferd weitergibt. Weil dies ohnedies nicht mit dem zusammenpasst, was der Reiter eigentlich möchte. Aus diesem Grund, bewegt sich das Pferd in den 50min. routiniert in den Abläufen wie es gewohnt ist, wie es normalerweise abverlangt wird. Nicht mehr und nicht weniger.

Ein anderer Reiter, hat es mit so einem Pferd dahingehend schwer, wenn es die routinierten Abläufe nicht kennt und etwas anderes abverlangt von dem Pferd.
Manche Pferde zeigen dann Widerwillen, indem sie dem Reiter zeigen wollen, was jetzt kommt – quasi „voraus reiten“.
Manche werden unsicher, bieten einiges an und verstehen nicht, was der Reiter von einem will, weil sie aufgehört haben zum „hinhören“.

Beispiel von meinem Warmblut-Holstein Mix Wallach:
Als ich ihn mit seinen 15 Jahren übernahm, war er ein abgestumpftes, introvertiertes, gebrochenes, ängstliches Hobby-Dressurpferd. Der die letzten Jahre so viel geschlagen, bestraft, angeschrien, an den Zügel gezerrt wurde (dass er „maultot“ wurde) in die Ecke gedrängt, minutenlang rückwärtsgehen musste uvm., dass er mit Menschen nicht mehr zusammenarbeiten wollte und wenn, spulte er sein gewohntes Dressurprogramm ab, verspannte sich und wartete direkt darauf, bestraft zu werden, wenn er selber merkte, er kam etwas vom Programm ab.
Ich erzähle euch jetzt nicht die lange, rührende Geschichte bis ich sein Vertrauen erlangt habe, auf ihm als krönenden Abschluss nur mit Halsring und Reitpad geritten bin und wir eine wunderschöne Einheit ergeben haben, dass ich sogar geweint habe vor Glück (würde zu lange dauern).
Sondern, als ich ihn das erste Mal geritten bin, wie er noch nicht in meiner Obhut war, sondern nur in „Pflege“ hatte. Er spulte sein Programm runter, verspannte sich laufend und man merkte richtig, dass er wartet, dass ich ihn schlage, die Sporen reinramme (ich trug keine, aber die Vorbesitzerin) oder hysterisch am Zügel reiße. Garnichts tat ich. Ich lobte ihn für alles, was er gut gemacht hat und ignorierte alles andere. Auch wenn es schwerfiel, als er mit mir quer, seitlich durch die Halle galoppierte, da er sich in der Halle schreckte, als man draußen einen Schatten sah und Geräusche hörte. Auch da merkte ich, wie er sich anspannte und wartete auf die Bestrafung – die nicht kam, ich lobte ihn, für das stehen bleiben!
Bei jede Anspannung die ich spürte, probierte ich ihn etwas anzubieten, was ihm vielleicht mehr Spaß macht oder angenehmer erschien (Zügel nachlassen, Schenkeldruck nehmen, Gewichtsverlagerung …), sobald er sich entspannte und nachgab, lobte ich.
Mittlerweile ist er so sanft, weich und fein zu reiten. Er spürt meine Bewegungen und ich sein, so dass wir im Einklang sind. Er bietet mir so viel schöne Bewegungen an, die ich erkenne, lobe und fördere. Egal ob vom Boden oder vom Sattel aus!

Die Idee dahinter (Kommunikation mit seinem Pferd), überholte Vorstellungen und Methoden hinter sich zu lassen und stattdessen eine Beziehung aufzubauen, in der jeder Partner erwägenswerte Ideen beisteuern darf. Glaubt mir, es lohnt sich, mehr hinzuhören, hinzusehen und zu spüren – für eine bessere PFERD-MENSCH Beziehung!

Dies ist mein letzter Teil zu dieser Serie auf CouponMyHorse. Ich hoffe, ich konnte euch die Materie etwas näherbringen und ihr könnt das eine oder andere schon positiv umsetzen.

In diesem Sinne wünsche ich euch und euren Fellnasen schöne Feiertage, frohe Weihnachten und einen guten Start in das Jahr 2020!

Eure Alexandra


Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Alexandra!

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