Pferdesprache-verstehen

PFERDESPRACHE verstehen lernen – für eine bessere PFERD-MENSCH Beziehung – Teil 6

In diesem Beitrag beschreibt die liebe Gastbloggerin Alexandra Pötscher, wie ihr euer Pferd besser verstehen werdet und wie ihr besser mit ihm kommunizieren könnt.

Dieser Artikel ist bereits der fünfte Teil ihrer Serie zum Thema Pferd-Mensch-Beziehung.

In diesem Teil widmen wir uns dem Thema: KOMMUNIKATION mit Deinem Pferd!
Grundsätzlich kannst Du dem Pferd auf 3 Arten deine Botschaft übermitteln wie wir schon gelernt haben:

  1. Körpersprache
  2. Stimme
  3. Fokussieren

Fokussieren bedeutet, dass du deine Aufmerksamkeit und Energie in eine bestimmte Richtung lenkst und dadurch deine Botschaft übermittelst (z.B. möchtest du zum Buchstaben A reiten, dann schau in diese Richtung, signalisiere deinem Pferd mit deinen Gedanken und deiner Körperhaltung, dass ihr zu diesem Buchstaben reitet).
Stimmkommandos sollte man hingegen nur verwenden, um eine Dringlichkeit zu vermitteln, wie z.B. abrupt anhalten (z.B. „hoooooohhhh), da eine Gefahr droht oder schnelles Weggaloppieren (schnalzen mit der Zunge) oder still und ruhig stehen bleiben (zB. „eeeaaaasyyyy).

Hier ein Beispiel zum besseren Verständnis:
Pferde unterscheiden nach Intensität, wie schnell sie wo reagieren müssen. Wie in der Körpersprache (siehe Teil 5) schon beschrieben, wie der Druckaufbau stattfindet, wenn ein Pferd möchte, dass ein anderes weicht, so verhält es sich auch mit der Stimme des Menschen.
Stell dir eine Dringlichkeits-Skala von 1-10 vor, dann entspricht fokussieren 3, Körpersprache 6 und Stimme 9! Ohne diese Skala im Kopf und wie du diese korrekt nutzt, kommen alle Botschaften bei deinem Pferd gleich an – man verunsichert sein Pferd was es wie tun soll und versucht dir Vorschläge zu unterbreiten.

Wenn du z.B. in der gleichen Intensität in Schritt durchparierst, wie du probierst abrupt zu halten bevor eine Gefahr droht, kann mit Sicherheit etwas nichts Erfreuliches passieren.
Oder wenn du jedes Mal „hooooohhhh“ schreist, um das Tempo zu verringern und bei jedem Antraben als auch bei jedem Galopp mit der Zunge schnalzt, wird dein Pferd gegenüber dieser Laute abstumpfen und im Ernstfall nicht oder falsch reagieren!

Aus diesem Grund empfehle ich, deinem Pferd nur Stimmkommandos zu lernen, für den ERNSTFALL (JETZT stehen bleiben, JETZT angaloppieren, JETZT stillstehen), dann wird dies auch 100% klappen. Für das tägliche Training bzw. tägliche Miteinander solltest du dich der Körpersprache bedienen, da Pferde weniger stimmorientiert sind und überhören vielleicht gewollte Laute und stumpfen dazu ab.

Auch Pferde verwenden ihre Stimme nur in der Not, oder wenn Gefahr droht um seiner Herde zu signalisieren, jetzt fliehen oder um vermisste Pferde zu rufen, damit diese wieder zurückfinden.

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SEI KLAR!

Wenn du mit deinem Pferd arbeitest, ist es sehr wichtig, dass du dich klar und konsequent verhältst. Klar, sowohl in deinen Absichten als auch in deiner Körpersprache und konsequent in deinem Verhalten. Bist du verlässlich, konsequent wie auch eindeutig in deiner Kommunikation und durchwegs freundlich, dann wird dein Pferd gerne mit dir arbeiten.

Warum ist Klarheit so wichtig?
Wenn du keine klare Vorstellung davon hast, was du machen möchtest und wie du dies erreichen kannst, ist ein Scheitern schon fast vorprogrammiert. Wenn du wirklich daran interessiert bist mit deinem Pferd effizient zu arbeiten, musst du sein Wesen und seine Persönlichkeit gut kennen und verstehen (siehe Teil 1-4 von mir). Vervollständige diese Erkenntnisse mit pferdefreundlichen Trainingsmethoden sowohl auch respektvollem Umgang mit deinem Pferd.
Gib so deutlich wie nötig, aber so leicht wie möglich, Hilfen – weniger Druck, mehr Klarheit!

Wie erreiche ich das?
Am wichtigsten! Bekomme keinen Wutanfall, schrei nicht hysterisch herum oder schlage nicht dein Pferd, wenn etwas nicht gleich so läuft wie du es dir vorstellst.
Du wirst mit der Reaktion höchstens dein Pferd erschrecken, ihm Angst machen oder es spiegelt dich und rastet auch aus, was wiederum gefährlich für den Menschen wird. Diese Art von Emotionen (weil du nicht klar kommunizierst, damit dein Pferd dich verstehen kann), haben im Umgang mit Pferde nichts zu suchen!
Sei ehrlich mit dir selbst, was du falsch gemacht hast und wenn du nicht selbstreflektierend bist, dann lass dein Pferd an diesem Tag lieber in Ruhe und führe es zurück auf die Koppel oder in den Stall.

MERKE à es ist immer besser, eine Stunde abzubrechen, um sich zu beruhigen, als wütend auf das Pferd zu sein und sich mit ihm anzulegen!

Ein Beispiel zum besseren Verständnis: Wenn du dein Pferd in den Galopp bringen willst, jedoch wie ein Mehlsack oben sitzt und keinerlei Energie in deine Aufforderung (ich meine dabei nicht, mit Hilfe der Gerte, ständiges Schnalzen mit der Zunge oder monoton mit den Fersen in den Bauch klopfen), so wird dein Pferd vermutlich gar nicht auf dich reagieren. Auch hier gilt fokussieren (ich will in die andere Ecke galoppieren), Körperanspannung und Energie!

WICHTIG es gibt viele Experten, als auch selbsternannte „Experten“ (Stallkollegen), die meinen, es besser zu wissen und versuchen dich mit ihren Hinweisen und Belehrungen zu beraten. Von den verschiedenen Meinungen, bist Du verunsichert. WARUM? Weil ein jeder Mensch von seiner Erfahrung mit SEINEM Pferd spricht, sich einfach gern reden hört und irgendetwas behauptet, was funktionieren sollte, was er irgendwann, irgendwo gelesen oder gehört hat.

Nicht vergessen!

  • DU bist es, der mit deinem Pferd arbeitet (und nicht die Anderen)
  • DU kennst (solltest) dein Pferd am besten (Andere sehen nur Momentaufnahmen, die man nicht für die Regel nehmen kann)
  • DU weißt ,was am besten für dein Pferd ist, was funktioniert und was nicht
  • Hör auf dein HERZ und dein BAUCHGEFÜHL, die geben dir Großteils recht

Sobald du ein ungutes Gefühl verspürst, steig ab, brich das Training ab, keine falsche Scham vor Zaungästen und Lästermäulern, die Sicherheit von deinem Pferd und dir geht vor!

HÖR DEINEM PFERD AUFMERKSAM ZU UND BLEIB FLEXIBEL – wenn der Stall-Tag anders verläuft wie geplant, egal! Wenn du z.B. feststellst, dass dein Pferd abgelenkt oder müde ist, oder es deinen Aufforderungen nicht folgen kann, weil eure Kommunikation heute nicht passt. Dann passe das Training an, mach leichtere Lektionen, mach Dinge dir ihr beide gut könnt, mach statt 45 Min. nur 30 Min., danach geht ihr spazieren. Bleib dir und deinem Pferd treu, alles andere ist zählt nicht!

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In diesem Bild ist zu sehen, dass der Reiter sich fest in den Sattel setzt und die Schenkel andrückt zum Galoppieren, aber am Zügel reißt und damit das Pferd wieder bremst. Das Pferd kennt sich nicht aus!

VERSTÄNDIGE DICH PRÄZISE!

Wenn du z.B. möchtest, dass dein Pferd im Schritt schneller wird und es stattdessen anfängt zu traben, bestrafe es nicht! Schließlich hat es getan was du wolltest: es ist schneller geworden!
Es liegt an dir, deine Aufforderungen so zu präzisieren, dass das Pferd versteht, wieviel schneller du genau meinst.
Bestrafst du dein Pferd in dieser Situation, wird es verunsichert und gerät in Stress – es wird immer noch nicht genau das tun, was du von ihm willst. Du bist dafür verantwortlich, deine Aufforderungen an das Pferd so zu übermitteln, dass es in der Lage ist, dich zu verstehen. Zudem ist es deine Aufgabe, nur die Art von Aufforderungen zu geben, die das Pferd überhaupt erfüllen kann.

VERTRAUEN und WOHLFÜHLEN!

Vertrauen ist das Stichwort, wenn es darum geht, dass sich dein Pferd im Umgang mit Dir wohlfühlt. Wenn du klar und konsequent mit ihm arbeitest, steigert es das Vertrauen und die Motivation, mit dir gemeinsam was zu tun. Pferde sind äußerst soziale Lebewesen, die sich gerne in angenehmer Gesellschaft aufhalten. Wenn sich dein Pferd in deiner Nähe wohlfühlt, wird es gerne mit dir Zeit verbringen.

Während jeder Trainingsstunde sollte ausreichend Zeit bleiben für:

  • Aufwärmen (mental und körperlich vorbereiten), ca. 15 Min.
  • Intensives Arbeiten (Erlernen von Neuem), ca. 10 Min.
  • Wiederholung von Vertrautem (zwecks Motivation, Steigern des Vertrauens …), ca. 10 Min.
  • Entspannung (mental und körperlich wieder runterfahren), ca. 15 Min.

Es gibt überhaupt keinen Grund dich mit deinem Pferd anzulegen. Ein körperlich und psychisch gut trainiertes Pferd wird sich dir nicht wiedersetzen. Bleib freundlich und klar, falls nötig werde energischer, aber nie die Contenance verlieren oder werde nie „out of control“!

Ein Pferd kann auch Ängste und Wünsche anhand von Körpersignalen entschlüsseln. Normalweise übermitteln wir unserem Pferd unbewusst Botschaften – die Fähigkeit sich dieser physischen Signale bewusst zu werden und als Mittel zur Kommunikation mit deinem Pferd zu nutzen, macht die bewusste Übermittlung von Kommandos überflüssig. Wenn es dir gelingt, dir deinem Unterbewusstsein bewusst zu werden, dich selber besser kennenzulernen und dies positiv bei der Kommunikation mit deinem Pferd umzusetzen, DANN hast du es geschafft! Du handelst und bewegst dich mit deinem Pferd als Einheit und im Einklang!

Du wirst sehen wie erleichternd es ist, unsere menschlichen Angewohnten im Beisein unseres Pferdes zu vergessen und mit dem Pferd zusammen auf „Pferdeart“ Zeit, Beziehungen, Gefühle und Denkprozesse zu erleben. Unsere menschlichen Tagesordnungspunkte, Druck, Anspannungen und Egos loszulassen und uns auf eine tiefe Verbindung und Einheit mit unserem Pferd einzulassen. Lass dich von ihnen mitreißen in eine Atmosphäre voller inneren Ruhe und Zufriedenheit (vorausgesetzt die Haltung, Fütterung usw. passt).

Freut Euch auf Teil 7 – am 3.12.2019 – wo ich euch Näheres über eine gute Pferd-Mensch Kommunikation erklären werde. Bis dann freut sich.

Eure Alexandra


Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Alexandra!

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