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PFERDESPRACHE verstehen lernen – für eine bessere PFERD-MENSCH Beziehung – Teil 5

In diesem Beitrag beschreibt die liebe Gastbloggerin Alexandra Pötscher, wie ihr euer Pferd besser verstehen werdet und wie ihr besser mit ihm kommunizieren könnt.

Dieser Artikel ist bereits der fünfte Teil ihrer Serie zum Thema Pferd-Mensch-Beziehung.

Die Basis für eine gute Kommunikation mit seinem Pferd ist die Beziehungsarbeit. In dieser merken wir, dass kein Pferd das, was wir ihm beibringen wollen, in der Zeit lernt, die wir dafür veranschlagt haben. Wenn du langfristig eine starke Beziehung anstrebst, versuche besser, Frustration während des Trainingsprozesses zu vermeiden. Beziehungstraining heißt nicht: Reiter lehrt Pferd! Auch nicht: Pferd lehrt Reiter! Es bedeutet eher, das richtige Umfeld schaffen, um körperliche als auch emotionale Grenzen zu setzen und diese in Einklang zu bringen.
Will man eine wahre partnerschaftliche Beziehung und offene Kommunikation mit dem Pferd erreichen, braucht man dazu sehr spezifisches Werkzeug und das Allerwichtigste davon heißt ZEIT!

Zeit ist auch das wichtigste Hilfsmittel, wenn du mit deinem Pferd eins werden willst. Wenn wir seine Emotionen und Reaktionen auf eine Vielzahl täglicher Ereignisse miterleben könnten, würden wir unser Pferd viel besser kennen und verstehen lernen. Aufmerksame Zeit mit seinem Pferd verbringen, bedeutet viel mehr, als nur Routinearbeiten in seiner Gegenwart zu verrichten. Es bedeutet unbelastete Zeit, in der Nähe des Pferdes zu sein, wo man es in Ruhe beobachten kann, wie es seinen Alltag verbringt und wie es wann, wie reagiert.


Deine gemeinsame Zeit kann auch kombiniert werden z.B. mit:

  • Grasen an der Hand
  • Spazieren gehen
  • Putzen (jedoch nicht vor dem reiten, sondern einfach nur „Fellpflege“)
  • auf der Koppel/Weide Gesellschaft leisten (mit einem Sessel dazu setzen)

Füttern, Reiten oder gedankenlos Longieren zählen nicht dazu und bringt in der anfänglichen Beziehungsarbeit gar nichts!

BEOBACHTE DEIN PFERD

Pferde kommunizieren, indem sie ihren gesamten Körper einsetzen (Körpersprache).
Auf was soll ich achten? AUF ALLES!

  • Kleinstes Zucken
  • Bis hin zu ausladenden Bewegungen
  • Mimik
  • Augen- und Ohrenspiel
  • Schweifhaltung/-bewegung
  • Körperhaltung
  • Positionierung gegenüber seinen Artgenossen
  • Kopfhaltung
  • Maul/Nüstern


JEDE Bewegung (und wenn sie noch so unscheinbar für den Menschen ist) innerhalb der Herde wird vom Pferd beachtet, was ihnen ermöglicht so fein untereinander zu kommunizieren, das unserem ungeschulten Auge, unbemerkt bleibt. Mit etwas Zeit, Geduld und Übung wirst du lernen, dasselbe zu tun und bereits Kleinigkeiten im Verhalten deines Pferdes wahrzunehmen.

Schau genau zu, was die Pferde tun, wie sie sich bewegen, was sie für Signale geben, damit das andere Pferd reagiert (das ein Pferdekumpel weichen muss, oder Aufforderung zur Fellpflege usw.).
Sobald du mehr über die Kommunikation innerhalb der Herde erfahren hast, wird dir klar, wieviel du bisher übersehen hast. Dein Pferd zu beobachten und aufmerksame Zeit zu verbringen, ist eine Botschaft der Interesse und Annäherung an deinem Pferd. Es weiß dann, dass du zumindest versuchst es zu sehen bzw. zu verstehen. Dies wiederum führ dazu, dass sich das Pferd auch mehr mit dir beschäftigt bzw. dich kennenlernt und schlussendlich VERTRAUT!

Beobachten wir unser Pferd nicht regelmäßig und aufmerksam, muss es seine Freude, Angst, Verwirrung, Schmerzen und Gedanken mit größeren, gefährlicheren Gesten (für uns Menschen) mitteilen, damit wir es endlich verstehen. Was dazu führt, dass das Pferd geschlagen, angeschrien und bestraft wird, für unser „nicht verstehen“.
Einige dieser großen „Verständigungsgesten“ (wie buckeln, steigen, treten, drängeln u.v.m.) werden aus unserem Unverständnis heraus Untugenden genannt, weil wir nicht wissen, warum das Pferd sich so benimmt. Da wir die vorangegangenen, feinen Hinweise nicht erkannt haben.

Manche Pferde ziehen sich in sich selbst zurück und versuchen gar nicht mehr, uns zu zeigen, was sie denken oder fühlen. Ihrer Erfahrung nach lohnt es sich nicht und es hagelt nur so an Bestrafungen. Diese Pferde sind „innerlich gebrochen“, funktionieren nur mehr und sind schwer depressiv (auch Pferde können depressiv werden).

Die Hälfte eines Gespräches besteht im Zuhören, die Andere im Sprechen. Strebe an, die Sprache des Pferdes zu erkennen und auch dann „zuzuhören“, wenn dein Pferd Dinge „sagt“ (zeigt), die du nicht hören (sehen) willst.
Falls dein Pferd überreagiert und du nicht weißt was es hat oder was zu tun ist, sorge in erster Linie für deine eigenen Sicherheit und komme zur Ruhe (sorge für innerliche Entspannung)! Dies gewährleistet, dass du in der Lage bist, dein Pferd weiter zu beobachten und ermöglicht dir vielleicht dann zu erkennen, woran es liegt oder was es dir „sagen“ wollte. Du wirst dein Pferd mit einem neuen Bewusstsein betrachten, sobald du in der Lage bist „seine Worte“ zu verstehen.

FINDE DEINE INNERE RUHE und GELASSENHEIT

Viele Menschen „versuchen“ in der Nähe von Pferden ruhig zu sein. Bei einer gesunden Beziehung zu seinem Pferd und erlernter Kommunikation, ist das eine Grundvoraussetzung!

Innere Ruhe macht es einem möglich, präsent zu sein und das im HIER und JETZT! So gelingt es dir auch die Feinheiten der Pferdesprache überhaupt erst wahrzunehmen.

Wenn du zu deinem Pferd kommst, mit folgenden Emotionen oder Befindlichkeiten (egal ob privat oder dienstlich erlebt oder weil Stallkollegen vor Ort sind die man nicht mag):

  • Wut
  • Frust
  • Angst
  • Müde
  • Aggression
  • Unsicherheit usw.

Bei jeglichen negativen Emotionen und Befindlichkeiten, sollte man entweder:

  • wieder nach Hause fahren
  • erst gar nicht in den Stall fahren oder
  • man findet mit Hilfe des Pferdes wieder seine innere Ruhe.


WIE FINDE ICH INNERE RUHE und GELASSENHEIT?

Bevor man zum Pferd kommt (egal ob auf der Koppel oder Box), am Weg dorthin:

  • bewusst ruhig und tief ein- und ausatmen (wenn man noch im Auto sitzt, Augen schließen)
  • in einem ruhigen, gleichmäßigen Rhythmus gehen
  • in Gedanken ein Lied summen oder sich an etwas Schönes erinnern

Jeder hat einen anderen Zugang, wie er sich wieder entspannt. Wähle, die für dich am geeignetsten Variante.

Beim Pferd angekommen, sollte man schon etwas ruhiger sein:

  • Pferd begrüßen
  • Bei ihm stehen bleiben und es streicheln
  • Augen schließen und ruhig atmen
  • das Pferd hilft dir, dich zu entspannen wenn du es zulässt

Schaffst du es wieder gelassen und ruhig zu sein, kannst du mit deinem Pferd wie gewohnt deine Zeit verbringen. Sollte es trotzdem noch dein Unbehagen spüren und dein Pferd zeigt es dir mit einem unerwünschten Verhalten – lächle es weg und sag laut oder in Gedanken: „interessant“ oder „wie du meinst“.
Schaffst du es nicht, solltest du zu deiner eigenen Sicherheit und zum Wohle deines Pferdes von einem Training, Reiten oder Bodenarbeit Abstand nehmen (ob Longieren, Freiarbeit oder ähnliches).

Geh mit dem Pferd an der Hand grasen oder bring es auf die Weide und setz dich dazu, setz dich in die Box oder lenke dich ab und tratsche mit Stallkammeraden.

Pferde bevorzugen es, wenn wir uns zielgerecht bewegen, auf unsere Umgebung aufmerksam achten und vertrauenswürdige Leitfiguren sind. Ruhige Bestimmtheit ist für Pferde gleichbedeutend mit „KEIN STRESS, ALLES IN ORDNUNG“. Ruhig zu sein und zu bleiben stärkt das gegenseitige Vertrauen. Pferde flüstern mit ihrer Körpersprache – ein friedliches Kopfnicken, ein kleines Zucken des Schweifes, ein angedeutetes Aufheben des Hufs durch eine leichte Gewichtsverlagerung sind Zeichen, die jedes andere Pferd versteht.

Pferde verschwenden keine Energie, indem sie den ganzen Tag streiten oder nachtragend sind. Fordert ein Pferd ein anderes auf zu weichen

  • schlägt es den Schweif
  • reagiert das andere Pferd noch nicht, bewegt es ausschweifend mit leicht angelegten Ohren den Kopf
  • noch immer keine Reaktion, dann wird stampfend mit angelegten Ohren auf das Pferd zugegangen
  • noch immer keine Reaktion wird gebissen oder getreten.

Sobald sich das andere Pferd wegbewegt hat, ist alles wieder friedlich und ruhig. Pferde können das sehr gut, wir müssen üben – nicht nachtragend zu sein, wenn nicht gleich etwas so funktioniert wie man es möchte oder jemand nicht gleich so reagiert, wie es einem gelegen kommt.

Wie symbolisier ich nach einem „Konflikt“ mit meinem Pferd, dass alles wieder gut ist:

  • Entspannte Körperhaltung
  • Ein Bein entlasten (so wie es Pferde in entspannter Haltung tun)
  • Hände in die Tasche stecken
  • Den Blick weich werden lassen
  • Kopf etwas senken
  • Tief ein- und ausatmen
  • Den Körper schlaff aussehen lassen

Pferde lassen Stress und Anstrengung viel leichter los als Menschen. Wir tendieren dazu, noch emotional aufgeladen zu sein, auch wenn der Zwischenfall schon längst vorüber ist oder Wochen her.

Ich hoffe, dass ich dich dazu ermutigen konnte, dir mehr Zeit zu nehmen, um dein Pferd besser kennenzulernen!

Freut Euch auf Teil 6 – am 5.11.2019 – wo ich euch Näheres über die Lernfähigkeit der Pferde erklären werde. Bis dann freut sich

Eure Alexandra


Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Alexandra!

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