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PFERDESPRACHE verstehen lernen – für eine bessere PFERD-MENSCH Beziehung – Teil 4

In diesem Beitrag beschreibt die liebe Gastbloggerin Alexandra Pötscher, wie ihr euer Pferd besser verstehen werdet und wie ihr besser mit ihm kommunizieren könnt.

Dieser Artikel ist bereits der vierte Teil ihrer Serie zum Thema Pferd-Mensch-Beziehung.

Menschen brauchen sich nicht ständig ihrer Umgebung bewusst sein, um zu überleben. Wir müssen nicht auf unbemerkbarste Kleinigkeiten achten. Worte sind uns wichtiger als unsere Körpersprache, daher ist es uns nicht notwendig, dass wir uns während eines Gespräches ständig ansehen.

Pferdesprache dagegen hat ihren Ursprung in der Sicht eines Fluchttieres. Pferde haben ein starkes Bewusstsein für ihre Umgebung und einen beinah 360 Grad umfassenden Rundumblick. Sie erkennen unseren Gesichtsausdruck, unsere Körpersprache, die Kleidung, das Haar und unser Befinden. Unsere Absicht in eine bestimmte Richtung zu gehen, registrieren sie lange vor unserem ersten Schritt. Sie nehmen dies wahr, noch wo wir darüber nachdenken, da wir uns unbewusst schon in diese Richtung drehen und wenn es nur eine kleine Bewegung ist.

Pferde und Menschen sind soziale Wesen. Bist du mit einem Pferd zusammen, betrachtet es dich als Teil seiner Herde, selbst wenn diese Herde nur aus zwei Mitgliedern besteht. Auch Hunde, Ziegen, Katzen oder Eseln in der Koppel werden als Herdenmitglied betrachtet. Pferde bieten uns diese Zugehörigkeit an, wenn wir sie verstehen und es annehmen.

Vielleicht ist das mitunter ein Grund, warum wir uns mit ihnen so wohl fühlen. Umso mehr sollte es uns ein Bedürfnis sein, unser Bewusstsein zu schulen für das, was wir mit unserer Körpersprache ausdrücken.

Es gibt eine unselige Idee in der Welt der Menschen, die besagt, dass ein Pferd niemals gewinnen oder unseren Forderungen widersetzen darf. Dabei entspricht es tatsächlich der Natur der meisten Pferde, eine untergeordnete Rolle zu akzeptieren. Die wenigsten sind Alphatiere.
Lerne ihre Sprache, so fördert das dein Verständnis des Ehrenkodex zwischen Pferden. Wenn wir die Würde des Pferdes bewahren, seine Moralvorstellungen übernehmen, dann fördern wir den gegenseitigen Respekt als auch Vertrauen.

Ich hoffe zutiefst, dass Menschen, wenn sie sich die Zeit nehmen, um ihr Pferd besser verstehen zu können, niemals mehr ein Pferd „aus Versehen“ misshandeln oder innerlich zu brechen. Wir können ihnen zuhören und ihnen ein Mitspracherecht geben, ohne Angst zu haben, dass es „verdorben“ wird, wenn es sein Leben mitbestimmen darf.

DER MENSCH ALS GESTALTER DER PFERD-MENSCH BEZIEHUNG

Die Zweierbeziehung Pferd-Mensch wird bewusst oder unbewusst entscheidend vom Menschen gestaltet. Das betrifft alle Lebensbereiche des Pferdes – ob Umwelt, Haltung, Umgangsmethoden, Ausbildungs- und Trainingsmethoden. Dabei herrschen oft Vorstellungen vom Wesen des Pferdes und werden Leistungen abverlangt, die weit entfernt sind von seinem natürlich veranlagten Verhalten. So scheint es überfällig, einen zukunftsweisenden Beziehungsstil zu entwickeln, der zweifellos erhebliche Verhaltensänderungen vom Menschen verlangt.

Neben der Etablierung artgerechter Haltungssysteme und Umgangsmethoden gehört hierzu die Bereitschaft, das innerartliche Verhalten der Pferde mit ihren feinsten Signalen verstehen zu wollen und auf dieser Basis mit ihnen zu kommunizieren.

Eine wesentliche Grundlage hierzu stellt eine stets positive mentale und emotionale Grundhaltung des Menschen in der Pferd-Mensch Beziehung dar, zumal das Pferd auf

  • Emotionen
  • Stimmungen und
  • Aufmerksamkeit

des Menschen deutlich und sofort reagiert. Hier nimmt die positive Gedankenschulung eine wichtige Stellung ein, die das Ziel verfolgt

  • Motivation
  • Innere Ruhe
  • Entspanntheit
  • Bewusste Atmung
  • Wohlempfinden
  • Körperliche und seelisches Gleichgewicht

nachhaltig zu schaffen. Darauf aufbauend lässt sich

  • kongruentes Ausdrucksverhalten
  • Raumpräsenz und
  • Führungsverhalten

besser erlernen als auch festigen. Dies zu erlernen und sich bewusstmachen, scheint deswegen relevant, da das Pferd in der Lage ist die Befindlichkeit der „Führungsposition“ (wenn Rangordnung zu Gunsten des Menschen ausfällt) durch subtile Signale wie die Atemfrequenz und die Körperanspannungen wahrzunehmen sowie „gespielte Führungsrolle“ zu erkennen (bei Angst, Nervosität…).
Insbesondere bei den herkömmlichen Ausbildungsmethoden des Pferdes fällt immer wieder das „Willen brechen“ als auch das körperliche Zwingen auf, um Widerstände zu brechen und Unterordnung herzustellen. Derartige Lehrmethoden gehören in das Zeitalter von Wildpferdebändigern und militärischen Ausbildungsmethoden.

Man darf nie vergessen, dass beim Umgang mit Pferden primär die Qualifikation der Bezugsperson im Mittelpunkt steht. Denn der Mensch allein ist verantwortlich für die Vertrauensbasis beider Partner, die artgerechte Kommunikation und Pferdehaltung, sowie für die Aneignung von Führungskompetenz!

KOMMUNIKATIVE MÖGLICHKEITEN

In einer gelungenen Pferd-Mensch Kommunikation muss sich der Mensch auf eine „sinnliche“ Wahrnehmungsebene des Pferdes einlassen als auch einstellen. Hierzu steht ihm v.a. die nonverbale Kommunikation mit Bewegungssignalen am Boden zur Verfügung, die das Pferd auf seine Art verstehen kann. Dabei kann das menschliche Ausdrucksverhalten mit dem Pferdeverhalten nahezu ident sein (analoges Verhalten) oder es muss bestmöglich nachgeahmt werden (Imitationsverhalten).

Darüber hinaus kann das Pferd erwünschtes Verhalten durch Konditionierung lernen bzw. unerwünschtes Verhalten durch Gegenkonditionierung verlernen. Allerdings müssen Konditionierungen als erlerntes Verhalten regelmäßig trainiert werden.

Die Schwierigkeit besteht darin, stets selbstreflektierend ZU BLEIBEN, da bestimmte unbewusst ablaufende Elemente des menschlichen Signalverhaltens vom Pferd nicht unbedingt verstanden werden muss oder falsch gedeutet wird. Außerdem ist die Intensität des Ausdrucksverhalten auf die jeweilige Situation sowie auf die Sensibilität und Individualität des Pferdes auszurichten.

DIE ANALOGE KOMMUNIKATION

Diese steht als die älteste Form der Verständigung in der Pferd-Mensch Beziehung. Das bedeutet, je authentischer man emotional spontan und intuitiv als Persönlichkeit reagiert, desto leichter kann das Pferd die Botschaften verstehen. Elementar ist, dass man die tatsächlich empfundene Empathie, Bezogenheit und Verbundenheit mit dem Pferd ausdrückt, was Missverständnisse vermeiden hilft.

Pferde erfassen im analogen Kommunikationsverhalten optische, olfaktorische, taktile und akustische Signale wie

  • die Atmung
  • feinste Anspannung und
  • Entspannung der Muskulatur
  • Leichtes Zittern
  • Körpergerüche
  • angedeutete Bewegungen
  • Bewegungstempo
  • Bewegungsrhythmus
  • Blickrichtung und
  • Blickkontakt

Derartige in der Regel unbewusste Zeichen kann das Pferd z.B. als Ausdruck der

  • Akzeptanz
  • Ablehnung
  • Dominanz oder
  • Unterlegenheit

interpretieren.

IMITATIONSVERHALTEN

Bei diesem Verhalten werden bestimmte Elemente des natürlichen Pferdeverhaltens nachgeahmt, die für das Pferd verständlich sein müssen. Anders als beim Lernen einer Sprache sind hierzu bestimmte Verhaltensmuster beim Menschen zu verändern und neue Ausdrucksweisen zu erlernen.
Das betrifft die Bereiche

  • Körperhaltung
  • Bewegungsverhalten (Motorik)
  • Fortbewegung (Lokomotorik)
  • Bewegungsausrichtung
  • taktiler Kontakt
  • Gestik & Mimik
  • Blickausrichtung
  • Distanzregelung (Proxemik) und

In den meisten Fällen ist es wichtig, betont langsame Bewegungssignale zu geben und eine zu schnelle Abfolge von zu vielen Zeichen gleichzeitig zu vermeiden. Bestimmte Signalhilfen wie z.B. ein „Stick“ können die Imitationsgebärden unterstützen.

STIMMLICHE KOMMUNIKATION

Selbstredend können Pferde unsere Sprache nicht verstehen, deswegen sollte diese Art der Kommunikation NICHT im Mittelpunkt stehen, sondern können allenfalls als Begleitung zur Körpersprache eingesetzt werden. Dabei steht natürlich nicht der Inhalt des gesprochenen Wortes, sondern das akustische Lautbild der

  • Klangfarbe
  • Tonhöhe
  • Tonlage
  • Lautstärke
  • Tempo
  • Atmung
  • Pausen
  • Ausdrucksfähigkeit und
  • Betonung im Vordergrund.

Ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, friedliche und freudvolle Möglichkeiten zu vermitteln, eine herzliche Freundschaft und Verbundenheit mit euren Pferden aufzubauen. Das ist es doch, was wir uns alle wünschen und wir bekommen es, wenn wir ein bisschen Zeit investieren um unser Pferd besser verstehen zu lernen!

Freut Euch auf Teil 5 – am 1.10.19 – wo ich euch den ersten Schritt vermittle um eine neue Sprache zu lernen – die Pferdesprache J !

Eure Alexandra


Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Alexandra!

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