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PFERDESPRACHE verstehen lernen – für eine bessere PFERD-MENSCH Beziehung – Teil 3

In diesem Gastbeitrag beschreibt die liebe Alexandra Pötscher, wie ihr euer Pferd besser verstehen werdet und wie ihr besser mit ihm kommunizieren könnt.

Dieser Artikel ist bereits der dritte Teil einer Serie zum Thema Pferd-Mensch-Beziehung, dem Fachgebiet von Alexandra.

Das Verhältnis zum Pferd steht noch immer in der Tradition der Nutztierhaltung, obgleich sich der Wandel vom Arbeitstier zum Freizeit-, Sport- oder Statustier längst vollzogen hat. Auch die Züchtung sorgt für entsprechend angepasste Pferderassen, die bestimmte menschliche Vorstellungen vom Pferdeideal erfüllen sollen.
Dabei ist die Entfremdung des Menschen vom Normalverhalten des Pferdes unübersehbar und eskaliert in der Vermenschlichung des Pferdes – als Ersatz für Beziehungsbedürfnisse (sei es Anerkennung in der Arbeit, Zuneigungswünsche des Partners, Partnerersatz, Kinderersatz, …) –
und der nicht artgerechten Pferdehaltung. Bei einer verhaltensgerechten Haltung sind die angeborenen, arteigenen und essentiellen Verhaltensmuster nicht derart eingeschränkt, verändert oder fremdbestimmt, dass sich dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden einstellen. Je tiergerechter die Pferdehaltung ist (wie z.B. täglicher Koppelgang, Sozialverhalten zulassen – sprich keine Einzelhaltung – mit passenden Koppelpartnern, ausreichend Ruhephasen, 24h Heu zur freien

Verfügung als auch Wasser, sauberer Stall und Koppel, verhaltensgerechter Umgang mit dem Pferd) desto weniger negative Anzeichen wie Erkrankungen, systembedingte Verletzungen oder Verhaltensstörungen stellen sich ein.

Ziel einer artgerechten Kommunikation ist die gegenseitige vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Pferd-Mensch-Beziehung. Sie soll auf beiden Seiten beruhigend wirken, erwünschtes Pferdeverhalten fördern und unerwünschtes Verhalten vermeiden.

Die heutigen Reiter wenden eine Vielzahl von Trainingsmethoden an, die nicht immer die besten Wege zur Verständigung mit dem Pferd sind. Zwei beliebteste Methoden beruhen auf „Befehlen“ und „Bitten“.
Die Mehrzahl der Reiter bedient sich des „Befehles“, um sich ihrem Pferd verständlich zu machen. Die meisten haben gelernt, dass „Befehle“ das sind, was Tiere am besten verstehen. Wir sagen Sitz, Platz, Auf, Halt, Komm, Fuß, Zurück usw. Man sagt dem Tier was es zu tun hat und Mensch erwartet, dass das Tier gehorcht. Tun sie es, werden sie belohnt, gehorchen sie nicht, werden sie bestraft. In diesem Rahmen ist kein Platz mehr für ein Urteil, Intuition, Ausdruck, Instinkt oder Gefühl. Die Tiere führen es aus, weil es ihnen jemand befohlen hat.
Wie fühlst du dich, wenn dir pausenlos jemand sagt, was du tun sollst?

Das Problem beim „Befehlen“ als Kommunikationsform ist, dass es nur zwei Optionen für Leistung gibt: Belohnung oder Strafe. Hast du im Zorn schon jemals die Hand gehoben, als ob du das Pferd schlagen willst? Gut möglich, dass in Zukunft sensible Pferde schon scheuen, wenn du nur die Hand hebst.  Oft genug besteht die Belohnung für Gehorsam nur im Ausbleiben der Strafe. Ein Beispiel: du gibst dem Pferd mit dem Absatz das Zeichen, sich in Bewegung zu setzen. Tritt es an, besteht die Belohnung darin, dass das Leben ohne Strafe weitergeht. Tritt es nicht an, wird der Absatz stärker eingesetzt oder gleichzeitig mit der Gerte nachgeholfen. Der einzige Grund, warum das Pferd sich in Bewegung setzt, ist der, dass es nicht noch heftiger getreten werden will.
 „Befehlen“ ist kein guter Weg zu einer Beziehung zu deinem Pferd. Genaugenommen zu keiner Beziehung irgendwelcher Art.

„Bitten“ hat seinen Platz in der Kommunikation, aber „Bitten“ kann zur Falle werden. Es ist zwar ein freundlicher als auch höflicher Weg, dein Pferd zu bewegen, aber leider bitten die meisten Menschen auf die falsche Art und aus den falschen Gründen. Die Bittmethode wird hauptsächlich in zwei Situationen angewendet und bringt in beiden Fällen gewöhnlich gar nichts.

In der einen Situation hast du dein Pferd sehr gerne oder betrachtest es als ein Haustier an, wie z.B. einen Hund. Du glaubst, weil du und das Pferd so gute Freunde sind, genügt eine bloße Bitte (verbal nicht mental), damit das Pferd das tut was man möchte. Da das Pferd die menschliche Sprache nicht versteht und du nicht begreifst, was das Pferd erkennen kann, sind deine Bemühungen oft umsonst.

Die andere Situation ist die „Wenn-sonst-nichts-mehr-geht“ wie in diesem Beispiel:
du drückst dem Pferd die Absätze in die Seiten und das Pferd reagiert nicht. Dann kickst du heftiger gegen die Rippen. Das Pferd rührt sich noch immer nicht (reißt möglicherweise nur den Kopf hoch). Du beschließt die Botschaft noch intensiver zu vermitteln – du holst mit den Beinen aus und trittst dem Pferd noch stärker in die Rippen. Einige Pferde setzen dann gerne ihre Reiter ab. Wenn du auch eine davon bist, findest du dich am Boden wieder und beschließt erneut aufzusteigen; Holst tief Luft und probierst dich zu entspannen und sagst: „Nah komm schon Mädchen – du kannst das doch. Nah komm schon, Schritt bitte!“

Die „Wünschen-„ und „Hoffen-Techniken“ sind Abkömmlinge der Bitt-Technik. Dein Pferd verbal zu bitten, selbst in bester Absicht, ist kein verlässliches Mittel, zu einem Ergebnis zu kommen.

Pferde haben ein unglaubliches Gedächtnis und sind intelligenter, als was viele Menschen glauben.

Was nun?

Als ersten Schritt, muss sich das Pferd bei dir sicher fühlen und dir blind vertrauen, dann folgt es dir auch überall hin. Ein Pferd ist ein Herdentier. Eine Herde wird angeführt von einem Leitpferd (kann eine Stute sein, ein Wallach oder auch ein Hengst) und die anderen Herdenmitglieder folgen ihm. Die Herde weiß, dass ihr Leitpferd immer nur das Beste für sie im Sinn hat. In eurer Pferd-Mensch Beziehung solltest du das „Leittier“ sein in deiner „Zweier-Herde“ wenn ihr gemeinsam was unternehmt (egal ob Reiten oder Bodenarbeit oder einfach nur gemeinsam Spazieren gehen). Wenn du deinem Pferd die Sicherheit gibst, die es braucht um dir zu vertrauen – folgt es dir überall hin, denn es weiß, du hast nur das Beste für es im Sinn.

Nur kurz zum Verständnis was dahinter steckt, hinter einer Herde und ihrem Leittier. Die Herde hat dem Leittier zu folgen, ohne dessen Handlung je in Frage zu stellen. Würde sie dies nicht tun, ginge der ganze Sinn einer Herde verloren und die Art würde irgendwann aussterben.

Ein Beispiel von „meiner“ Herde, welche aus 1 Wallach (18 Jahre altes Warmblut) und 2 Stuten   (Shagya Araber mit 8 und 15 Jahren) besteht. Das Leittier ist in „meiner“ Herde, der Wallach, jedoch sobald ICH den Stall betrete, übernehme ich die Führung und bin das Leitwesen (diese Stellung ist erarbeitet von mir, war nicht von Anfang an so). Meine 15jährige Shagya-Araber Stute ist unsere Späherin, die immer als 1. irgendetwas „Neues“ oder für nicht eindeutig identifizierbar ist, entdeckt. Sie erstarrt und wartet ab, ob sie jetzt flüchten soll oder stehen bleiben. Sie zeigt an, dort ist etwas. Alle schauen angespannt in die Richtung und warten auf mich à ich gehe alleine nach vorne, gebe meinen Pferden das Zeichen zurück zu bleiben, schaue auch angespannt in die Richtung (auch wenn ich oft nichts sehe, da Pferde wesentlich mehr wahrnehmen und besser sehen als Menschen) und gebe dann Entwarnung, dass alles ok ist, sie dürfen jetzt auch nach vorne zu mir kommen und sich davon überzeugen, dass nichts ist oder sie dürfen weiterfressen.

Pferde werden von uns gefangen gehalten. Ihr Leben und Überleben hängt von uns Menschen ab. Die Führung zu übernehmen bedeutet, dein Pferd wissen zu lassen, dass es in deiner Gegenwart IMMER in Sicherheit ist.

Stelle dir selbst die Frage und beantworte sie dir ehrlich: Traut dein Pferd dir zu, dass du es sicher durch die menschliche Zivilisation führst in jeder Situation?

Wir haben die Pferde aus ihrer natürlichen Umgebung herausgeholt und wollen, dass sie durch Türen gehen, über Hindernisse springen und sowohl vorwärts in Pferdehänger hineinsteigen, als auch rückwärts wieder hinaus, ohne seiner Herde auf fremde Orte fahren u.v.m. Stell dir Mal vor du bist in einem fremden Land alleine unterwegs. Dein Reiseführer spricht nicht deine Sprache und bittet dich unsicher und nervös, ihm in dieser fremdartigen Welt zu folgen. Du würdest dich nicht sicher fühlen!

Die gute Nachricht à man kann seinem Pferd Sicherheit vermitteln und Vertrauen gewinnen, jedoch muss man sich vorab die Zeit nehmen und sich mit seinem Pferd

  • Beschäftigen,
  • es kennenlernen
  • und es beobachten.

Welche Bedürfnisse hat dein Pferd, wie verbringt es seinen Tag, wie reagiert es in der Herde usw.

Ich habe sehr viel gelernt beim Beobachten meiner Pferde innerhalb der Herde, wie reagiert wer und warum. Wie kommunizieren sie untereinander, damit sie weichen, folgen, bei Schmerzen, bei Freude, wenn sie müde sind, Fressverhalten u.v.m. In der Theorie habe ich sehr viel in meinen Kursen und Studium gelernt, jedoch wenn du dein Pferd kennenlernen willst, musst du dir die Zeit nehmen, es kennenzulernen. Werde ein Teil der Herde und beobachte, welche Rolle du spielst, wenn du zum Beispiel einen halben Tag auf der Koppel/Weide mit deinen Pferden verbringst. Ignorieren sie dich, binden sie dich mit ein, wirst du vertrieben, gehen sie von dir davon, folgen sie dir…?

Natürlich funktioniert dies auch in Einzelhaltung, wo du dies alles beobachten kannst, jedoch nur in Bezug auf euer beider Verhalten, welche Stellung du bei deinem Pferd einnimmst wenn du die Koppel betrittst. Effektiver ist es, wenn du dein Pferd mit anderen beobachten kannst, wo du lernst es besser einzuschätzen.

Man darf nie vergessen, Pferde haben viel Vertrauen, dieses ist aber auch sehr leicht zu brechen. Daran musst du immer denken, wenn du mit deinem Pferd zusammen bist.

Es gibt viele Möglichkeiten, das Vertrauen deines Pferdes zu verlieren wie in diesen Beispielen angemerkt:

  • wenn du die Geduld verlierst und dem Pferd auf den Kopf schlägst, bist du am besten Weg dein Pferd kopfscheu zu machen,
  • verladen in einen Hänger der nicht sicher ist, wo es sich verletzt (z.B. an einem vorstehenden Stück Metall),
  • du zwingst dein Pferd einen steilen Abhang hinunter und es verletzt sich dabei,
  • ein Gewitter ist ausgebrochen, du willst dein Pferd in Sicherheit bringen, hast jedoch selbst Angst und dein Pferd reißt sich los aufgrund deiner Unsicherheit und verletzt sich dabei.

Je genauer du dein Pferd kennst, seine Bedürfnisse, seinen Charakter, sein Befinden und dich laufend um diese Beziehung bemühst, desto leichter hältst du während einer Stresssituation die Verbindung zu ihm. Ihr fühlt euch beide sicher. Das ist der Kern einer guten Führung!

Brichst du dieses Vertrauen, weil du nicht zuverlässig bist, ungeduldig als auch unachtsam und dich damit nicht wie ein Leittier verhältst, wirst du ersetzt. Von wem? Entweder von einem anderen Herdenmitglied oder dein Pferd selbst, übernimmt die Führung.

Die Quintessenz ist:
Fühlt sich dein Pferd nicht sicher bei dir, dann bist du nicht sicher mit deinem Pferd.


Viele meiner Kunden hatten in ihrem Leben EINE große Pferdeliebe – mit ihrem „Herzenspferd“ waren sie im Einklang und es verhinderte manches Unglück. Das Pferd balancierte seinen Menschen über den Sprung aus, wenn er aus dem Gleichgewicht kam, brachte ihn sicher durch matschige Stellen, blieb stehen, wenn sein Mensch auf einem vereisten Weg ausgerutscht ist und es behielt die Nerven, wenn plötzlich einige Hasen aus den Büschen gesprungen sind und sein Mensch oben im Sattel herzklopfend zitterte. Dieses Pferd passt einfach immer auf seinen Menschen auf.
In solchen Fällen stimmt einfach unbewusst, die Beziehung zwischen Pferd-Mensch und das Pferd übernimmt die Führung, was in dem Beispiel jedoch positiv für den Menschen ausfällt. 

Das Pferd gleicht die Defizite des Menschen aus und ist selbstbewusst genug diesen zu führen, zu „helfen“, sich von der Unsicherheit seines Menschen nicht selbst beunruhigen lässt, jedoch seine Stärke nie unfair gegen „seinen“ Menschen (sein Herdenmitglied) einsetzt.

Meine Kunden sind dann immer verzweifelt am „suchen“, damit sie wieder so ein Pferd finden, was die Suche nach der „Nadel im Heuhaufen“ ist.

Glücklicherweise muss man nicht ein Pferd nach dem anderen ausprobieren, um die ideale Verbindung (wieder) zu finden. Stattdessen kannst du selbst dafür sorgen, eine sichere und innige Verbindung zu beinahe JEDEM PFERD aufzubauen.

Wie Ihr dabei vorgeht, teile ich Euch im Teil 4 mit, wenn Ihr wieder mehr von mir erfahren werdet!

Eure Alexandra


Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Alexandra!

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