Pferdesprache verstehen - Blogbeitrag

Pferdesprache verstehen lernen – für eine bessere Pferd-Mensch Beziehung – Teil 2

In diesem Gastbeitrag beschreibt die liebe Alexandra Pötscher, wie ihr euer Pferd besser verstehen werdet und wie ihr besser mit ihm kommunizieren könnt.

Dieser spannende Artikel ist der zweite Teil einer Serie zum Thema Pferd-Mensch-Beziehung, dem Fachgebiet von Alexandra.

Ziel einer artgerechten Kommunikation ist das gegenseitige VERTRAUEN zwischen Pferd und Mensch, dass auf beiden Seiten beruhigend wirken soll. Es muss ein erwünschtes Pferdeverhalten im Rahmen des Normalverhaltens des Pferdes gefördert werden, um ein unerwünschtes Verhalten des Pferdes zu vermeiden.

Da die Botschaften des Pferdes an den Menschen, welcher mit seiner Wahrnehmung doch recht eingeschränkt ist und für ein ungeschultes Auge schwer erkennbar ist, braucht der Mensch dafür eine zweifelsfreie Interpretationsgabe – d.h., nichts hineininterpretieren, wie z.B. „das macht das Pferd heute absichtlich, welch eine Zicke usw.

Ein Pferd ist KEIN MENSCH! Ein Pferd begegnet NIEMANDEM mit Argwohn. Im Gegenteil, es ist ein sehr soziales, feinfühliges Wesen, welches steht‘s bemüht ist, klar zu kommunizieren. Es ist bestrebt, seinen Alltag friedlich zu bewältigen und auch gegenüber dem Menschen in jeder Hinsicht, sein Bestes zu geben. Es lebt im HIER und JETZT!

Außer:

  • Es schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hat (Züchter, Stallburschen, Trainer, Beritt, Mitreiter, Besitzer …).
  • Es Schmerzen, Kreislaufprobleme u.v.m. hat.
  • Es aufgrund schlechter Haltung gereizt, verängstigt oder auch übellaunig ist (z.B. zu wenig bis keinen Koppelgang hat, keinen sozialen Kontakt zu Artgenossen hat, zu wenig Heu
    oder auch wegen falscher Herdenzusammenstellung, so dass es nicht zum Heu kommt und es dadurch auch zu Stresssituationen in der Herde kommen kann …).
  • Es hat ein falsches bzw. nicht gut sitzendes Zaumzeug, z.B., wenn der Sattel drückt und dadurch Schmerzen verursacht werden.
  • Oder, das Training eines Pferdes erfolgt mit Gewalteinwirkungen und Bestrafungen. Mit dieser Verhaltensweise verbindet das sensible Pferd nur Angst und Widerwillen, so dass ein großer Vertrauensbruch entsteht. Die Erwartungshaltung, dass ein Pferd in diesem emotional aufgebrachten Zustand dem Besitzer Freude bereitet, ist natürlich nicht zu erwarten.

Grundsätzlich gilt: das Ausdrucksverhalten mit und ohne Mitteilungsabsicht voneinander zu unterscheiden sowie die – je nach Rasse und Persönlichkeit des Pferdes – individuelle Kommunikationssignale zu erkennen!

Rassetypisches Verhalten:

Die verschiedenen Pferderassen lassen sich durch bestimmte Merkmale wie Exterieur, Leistung, Wesen usw., voneinander abgrenzen. Einige dieser Rassen kann man zu Gruppen mit ähnlichem Körperbau und Größe und charakterlichen (Temperament) Eigenschaften zusammenfassen.

  • Pony
  • Kaltblut
  • Warmblut
  • Vollblut

PONY:

Äußerliche Merkmale: runde Formen, üppige Mähne- Schweifbehaarung, gerade Nasenprofil, breite Stirn, kurze Ohren, kleinwüchsig.

Rassebeispiele: Island-, Shetland-, Connemara-, Deutsches Reitpony, Fjordpferd, Huzule, …

Wesen: große Geselligkeit, aufmerksam, lebhaft, sehr lernfähig, nervenstark, Ausdauer, stur, starker Herdentrieb, sie tendieren zur Anhänglichkeit bei Einzelhaltung.

Allgemeines: Weiters neigen sie auf zu üppigen nährstoffreichen Weiden (nicht leistungsgerechtem Krippenfutter) zum Verfetten, daher entsteht ein erhöhtes Risiko zu EMS (Equinen metabolischen Syndrom) sowie Hufrehe, instabile Sattellage, da der Widerrist zu flach ist. Auf Grund ihrer Unterwolle, ist die Kältetoleranz sehr groß. Das derbe, von Regenwasser ableitende Deckhaar schützt die Pony’s – bis zu einem gewissen Grad – vor Nässe. Dafür leiden sie im Sommer sehr.

KALTBLÜTER:

Äußerliche Merkmale: massiger Körperbau, schwerer, grober Kopf, kleine Augen, schmale Stirn und Ramsnase

Rassebeispiele: Clydesdale, Noriker, Tinker, Haflinger, Shire Horse, Schwarzwälder, Bretone …

Wesen: gutmütig, gelassen, nervenstark, berechenbar, phlegmatisch, stur, lernen langsam, aber beständig, sind sehr bequem

Allgemeines: Einem Kaltblüter fehlt es mehrfach an Respekt vor dem Menschen gepaart mit Sturheit und geringer Bewegungslust. Mit viel Geduld, Ruhe und Zeit, ist es eine große Herausforderung mit diesen stolzen Tieren zu arbeiten. Hat man es geschafft, wird man für’s Leben durch einen treuen „Verlasspartner“ belohnt.

Außerdem sind Kaltblüter in schwierigem Gelände äußerst trittsicher, so dass sie bestens für einen gemütlichen Ausritt oder einer Kutschenfahrt geeignet sind.

WARMBLUT:

Äußerliche Merkmale: muskulös, stark, edles, großrahmiges und sportliches Erscheinungsbild, im Sommer kurzes und feines Haar, im Winter bilden sie meistens wenig Unterwolle (je nach Haltung), der Kopf ist gerade und ausdrucksstark

Rassebeispiele: Andalusier, Mustang, Hannoveraner, Friese, Trakehner, Lipizzaner, Quarter, Pura Raza Espanola (PRE), Nonius, …

Wesen: verlässlich, intelligent, wendig, ausdauernd, fleißig, sehr lernfähig, leistungsbereit, in einer reinen Boxenhaltung mit zu wenig Bewegung und Aufmerksamkeit neigen sie zu Verhaltensstörung (wie Boxenschlagen, weben, beißen, Ohren anlegen, attackieren des Boxennachbarn …), sie haben größtenteils schwache Nerven (je nach Rasse)

Allgemeines: Warmblüter sind weltweit die beliebtesten Sport- und Freizeitpferde, daher sind sie vielseitig einsetzbar (je nach Talent). Warmblut-Pferde sind eine Kreuzung zwischen Kaltblüter und Vollblut und speziell auf Ausdauer und Leistung hin gezüchtet (früher im Krieg, heute für den Sport). Warmblüter sind mit über 100 Rassen die größte Typengruppe.

VOLLBUT:

Äußerliche Merkmale: Vollblüter zählen zu den Aristokraten unter den Pferden und besitzen einen langen, anmutigen schlanken Körperbau, kleine Ohren, einen fein ausgebildeten kurzen Kopf und große Augen.

Rassebeispiele: Anglo-Araber, Englisches Vollblut, Berber, Shagya-Araber, Araber, Achal-Tekkinger

Wesen: temperamentvoll, verträglich, kontaktfreudig, mutig, sehr umgänglich

Manche Vollbluter sind bei schlechter Haltung nervös und hitzig. Bei falscher Fütterung, falschem Umgang, falschem Training, oder auf schlechte Behandlung reagiert es sehr sensibel. Auch bei keiner klaren Kommunikation vom Boden sowohl auch vom Sattel aus (es verzeiht schwer und vertraut nicht leicht). Es ist robust, sanft, lernwillig, intelligent, hat Ausdauer und gute soziale Verträglichkeit. Bei Haltungsfehlern (Boxenhaltung, keine oder zu wenig Bewegung, keine sozialen Kontakte zu Artgenossen, …) zeigen sie eine besondere Neigung zu Bewegungsstereotypen wie Weben, Boxenlaufen, „Zaunlaufen“.

Allgemeines: Als Vollblut bezeichnet man Pferde, deren Abstammung auf arabische Pferde zurückgeht. Diese sind typische Distanz- und Rennpferde. Aufgrund ihrer edlen und auch königlichen Ausstrahlung, werden sie generell in der Veredelung von Warmblutrassen eingesetzt.

Mit viel Bewegung, ausreichend Futter, sozialem Kontakt zu Artgenossen, wird das Vollblut unter einem ruhigen Besitzer seines Vertrauens, in allen Situationen zu einem absoluten „Verlasspartner“, dass ohne kopflos die Flucht ergreift und zu einem treuen Gefährten wird. Es bleibt beim Besitzer, (ganz gleich, ob auf dem Sattel oder zu Fuß), es wartet eine Entscheidung ab, was zu tun ist, vorausgesetzt die Rangordnung ist zugunsten des Besitzers geklärt.

Ich hoffe, mein Beitrag hat Euch gefallen und hilft wieder einen Schritt weiter Euer/e Pferd/e besser verstehen zu lernen. Freut Euch auf Teil 3 – am 6.8.2019, wo Ihr wieder mehr von mir erfahren werdet!

Eure Alexandra


Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Alexandra!

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